Ein Ausstellungsraum und Gedenkort in Berlin
Wie ein stiller Bau am Bendlerblock dem Ehrenmal der Bundeswehr eine Stimme zur Seite stellt — und aus Erinnerungen einen erlebbaren Ort macht.
Ein Ehrenmal kann zeigen, dass jemand gestorben ist – aber nicht immer, wer diese Menschen waren und welche Geschichten sich um ihren Tod ranken. Am Ende des geschichtsträchtigen Bendlerblocks, dort, wo das Ehrenmal der Bundeswehr an die im Dienst verstorbenen Soldatinnen und Soldaten erinnert, fehlte ein Ort, der diese Erinnerung vertieft. Der Raum der Information wurde als architektonische und narrative Ergänzung zum Ehrenmal konzipiert — frei zugänglich wie dieses selbst. Gemeinsam bilden beide Bauwerke ein stilles Ensemble, das informiert, sensibilisiert und die Gedenkkultur der Bundeswehr erlebbar macht.
Wo das Ehrenmal mit seiner perforierten Metallfassade hoch aufragt und transparent wirkt, bleibt der eingeschossige Raum der Information bewusst zurückhaltend: monolithisch, mit geschlossenen Wandflächen aus Sichtbeton, überspannt von einer Dachträgerstruktur aus weißen Sheddächern. Zwei eingeschnittene Innenhöfe gliedern das Gebäude an seinen Längsseiten — ein offener Eingangshof für die Besucher, ein abgeschlossener Hof am gegenüberliegenden Ende, der zur Ruhe einlädt.
Im Inneren teilen zwei quergestellte Einbauten den Raum in drei aufeinander folgende Bereiche: Im Eingangsbereich führen wechselnde Zitate behutsam an das Thema heran. Im Hauptraum erzählen hinterleuchtete Glasbänder multimedial und chronologisch von den Todesfällen in der Geschichte der Bundeswehr; verteilt im Raum stehen vier Sitzelemente mit integrierten Vitrinen für Gegenstände, die am Ehrenmal hinterlegt wurden. Im letzten Raum, mit Blick auf eine mehrstämmige Hainbuche im Innenhof, erzählen Hörstationen und das „Buch des Gedenkens“ die persönlichen Geschichten von Familienangehörigen, Kameraden und Freunden. Hier endet der Rundgang — mit einem Ort zum Innehalten.
„Der Spagat zwischen wissenschaftlicher Sachlichkeit und subjektiver Emotionalität war eine der zentralen Herausforderungen.“
Kurator Joachim Baur, Die Exponauten
Der Baukörper besteht aus einschaligen Sichtbetonwänden mit glatter, feiner Oberfläche. Die filigrane Stahldachkonstruktion sorgt für eine gleichmäßige, natürliche Belichtung des Innenraums — ein eigenes bauphysikalisches Konzept macht Heizung und Klimatisierung überflüssig. Der Boden aus hellem Terrazzo bildet die ruhige Basis, eingestellte Raumteiler aus Eichenholzfurnier geben dem Raum Struktur und Wärme.
Auch die Tore erzählen mit: Sie öffnen sich wechselseitig zur Straße oder zum Paradeplatz, sind mit Baubronze belegt — ein bewusstes Zitat des Ehrenmals — und tragen, in einem besonderen Stanzverfahren gefertigt, das Eiserne Kreuz der Bundeswehr. Material und Konstruktion werden so selbst zu einem Teil der Erinnerung.
„An diesem Ort wird offenbar, wie unser Land als Ganzes und Einzelne ganz persönlich mit Tod, Trauer und Gedenken umgehen – wie Traditionen sich entwickeln und im Laufe der Zeit neue Ausdrucksformen finden. Damit fügt sich der Raum der Information in seiner Formsprache und Aussagekraft in das Ensemble aus Ehrenmal und Buch des Gedenkens ein. Er ist eine würdevolle Ergänzung.“
Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen. Aus ihrer Rede anlässlich der feierlichen Eröffnung am 11. Juni 2018