Auf den Punkt

Zurückgezogen Wohnen im dichten Hinterhof

Video enthält KI‑generierte Visualisierungen.

Projektname Wohnhaus Herzogstraße
Jahr 2022
Ort Düsseldorf
Preise Anerkennung BDA Preis Düsseldorf
Awards Nominierung DAM Preis, Longlist
Wohnhaus Herzogstraße

Wie ein ungenutzter Hinterhof in der dicht bebauten Innenstadt Düsseldorfs neu geordnet wurde – und für zwölf Mietwohnungen Privatheit mit viel Licht und Garten entstand.

Neuordnung im Hinterhof

Das Wohnbauprojekt in der Düsseldorfer Herzogstraße umfasst eine Nachverdichtung in zentraler, innerstädtischer Lage. Die Umgebung ist von einer nahezu vollständigen Bebauung der Innenhöfe mit verschiedenen Nutzungen geprägt — es bleibt wenig Luft im Block. Aus dieser Enge entstand die Aufgabe: Verdichten, ohne den Hof zu ersticken, und sowohl neuen als auch bezahlbaren Wohnraum dort zu schaffen, wo zuvor nur Gewerbe stand.

Aus eins mach zwei

Zur Umsetzung wurden die vorhandenen gewerblich genutzten Gebäude im Innenhof zurückgebaut und durch einen viergeschossigen, die gesamte Breite ausfüllenden Baukörper ersetzt. Er gliedert das Grundstück in zwei Innenhöfe und schafft damit eine neue Freiraumqualität, die auch die bereits bestehende Vorderhausbebauung aufwertet. Aus einem überladenen Block werden zwei lesbare Höfe — und neuer Grünraum zwischen den Häusern.

„Was noch geht, wenn ein Stadtteil am Limit ist, zeigen TRU Architekten mit dem Wohnhaus Herzogstraße in Düsseldorf. Der Neubau, ein Hinterhaus, ist einfach und gut. […] Sicherlich ist dies ein Pionierprojekt, eines, das Interesse weckt und Nachahmer finden wird.“
deutsche bauzeitung, 10/22

Zwölf Wohnungen, zwei Größen

Der Neubau umfasst zwölf Mietwohneinheiten — acht Zweizimmerwohnungen mit rund 55 qm und vier Dreizimmerwohnungen mit rund 100 qm. Zwei barrierefreie Wohnungen im Erdgeschoss erhalten einen eigenen Garten im zweiten Hinterhof. Alle Wohnräume orientieren sich um einen zentralen Badkern mit Küchenzeile; jede Wohnung öffnet sich sowohl zum nördlichen Hinterhof als auch zur südlichen Gartenseite.

Geschlossen nach Norden, offen nach Süden

Zur ruhigen, südlichen Gartenseite verfügt das Wohnhaus über bodengleiche Verglasungen mit Balkonen, die mit Brise-Soleil-Elementen aus Beton bekleidet sind — so fällt viel Tageslicht in die Tiefe der Wohnungen, ohne die Privatheit zu tangieren. Die Nordfassade, an der die Schlafräume liegen, ist hingegen geschlossener. Quadratische Fenster verschiedener Größen belichten und belüften und schirmen die Räume gleichzeitig vor Einblicken ab.

„So leistet der Entwurf in einem wichtigen Mietsegment einen vorbildhaften Beitrag zur Nachverdichtung durch die zeitgemäße Interpretation überlieferter städtischer Strukturen.“
BDA Preis, Düsseldorf, 2023

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Weniger ist mehr

Herausfordernd war die Bauphase: Es waren an vielen Stellen Kreativität und Fingerspitzengefühl gefragt, damit der Neubau eine passende Verbindung mit den benachbarten Gebäuden eingehen konnte. Auf ein Kellergeschoss unter der Hofbebauung wurde aus wirtschaftlichen Gründen verzichtet — auch eine Antwort auf die Realität bezahlbaren Wohnungsbaus. Mit dem Projekt wird deutlich, dass Nachverdichtung im Bestand keine Verdrängung bedeuten muss, sondern eine Aufwertung — für die neuen Bewohnerinnen und Bewohner ebenso wie für jene, die längst dort leben.

Fakten

  1. Auftraggeber privat
  2. Team Sandra Töpfer, Karsten Ruf, Simon Bagge, Andrey Ekkert, Daniel Steinberg, Joanna Werra, Anno Lingens (Bauleitung)
  3. Ort Düsseldorf
  4. Planungs- und Bauzeit 2018–2022
  5. Leistungen LPH 1-8 HOAI
  6. Fotos Werner Huthmacher

Preise & Auszeichnungen

  1. 2024 Anerkennung BDA Preis Düsseldorf
  2. 2023 Nominierung DAM Preis, Longlist

Presse

  1. Architekturführer Deutschland 2024
  2. Architektur Berlin, Band 12, Braun Publishing – 2023
  3. db deutsche bauzeitung, Schwerpunkt Nachverdichtung, 10/2022
  4. Baumeister, Schwerpunkt Gebäudehülle, 10/2022