Denkmalgeschütztes Gutshaus und moderne Werkhalle
Wie ein historisches Gutsgelände zum Ausbildungsort für das Handwerk wird — und ein Neubau sich ganz selbstverständlich einfügt.
Das Gutsgelände trägt die Spuren vieler Jahrzehnte. Seine historischen Gebäude prägen das Ensemble, doch die Nutzung hatte sich längst gewandelt: Hier sollte ein Ausbildungszentrum entstehen — für Restauratoren und Tischler, für Menschen also, die selbst im täglichen Umgang mit alten Strukturen und Materialien arbeiten. Gesucht war ein Neubau, der dieser Spannung gerecht wird: funktional und zeitgemäß, ohne den Bestand zu verdrängen.
Der Entwurf für die neue Werkhalle folgt einer klaren Haltung: Der Neubau ordnet sich dem historischen Gutshaus unter. Seine äußere Geometrie ist von den Dachkanten des Altbaus abgeleitet, seine Traufe bleibt bewusst niedriger. So bleibt das alte Gebäude als Kopf der Anlage sichtbar — die Halle tritt in den Hintergrund, ohne zu verschwinden. Fassade und Dach gehen ineinander über und formen eine zusammenhängende Gebäudehülle, die sich gleichzeitig zum Hof und zum Altbau öffnet.
Innen organisieren sich die Werkstatträume auf zwei Ebenen; Glaswände trennen die einzelnen Bereiche: das wettergeschützte Vordach, die Maschinenhalle im Erdgeschoss, den Werkraum im Galeriegeschoss — und ermöglichen zugleich Blickverbindungen. Die Auszubildenden sehen einander bei der Arbeit, von jedem Arbeitsbereich aus öffnet sich der Blick in den Hof.
Zur Straße hin zeigt sich die Halle weitgehend geschlossen, nur von schmalen, vertikalen Fensterschlitzen gegliedert. Eine bewusste Entscheidung — zum Schutz der angrenzenden Wohnbebauung vor dem Lärm der Maschinen.
Die Halle ist als Holzskelettbau errichtet — kostengünstig, klar in der Konstruktion, ausgesteift durch Decke und Treppenläufe. Das weit auskragende Dach schafft im Außenbereich eine überdachte Zone: witterungsgeschützter Lagerplatz für Holz im Winter, erweiterter Arbeits- und Pausenbereich im Sommer. Was beim Arbeiten täglich anfällt, wie Holzreste, Verschnitt, Abschnitte, wird nicht entsorgt, sondern verbrannt: Eine Stückholz-Zentralheizung versorgt Altbau und Neubau gemeinsam mit Wärme. Der Kreislauf des Materials schließt sich am Ort selbst.
„Mit seiner Beschränkung auf den Baustoff Holz und den Einsatz einer Stückholzzentralheizung zur Nutzung der anfallenden Holzreste erweist sich der Bau als vorbildhaft im Sinne nachhaltigen Bauens.“
Jury, pbb Architekturpreis für vorbildliche Gewerbebauten 2010