Gedenk- und Lernort KZ-Aussenlager Laagberg

Anerkennung, Beschränkter Wettbewerb

  • Auftraggeber: Stadt Wolfsburg
  • Team: Sandra Töpfer, Karsten Ruf, Henning von Wedemeyer, Vera Hehemann, Laura Pfarr
  • Partner: chez weitz museale und urbane Szenografie, Die Exponaten, capattistaubach urbane Landschaften
  • Ort: Wolfsburg, Ortsteil Laagberg
  • Planungszeit: 2020

Zwischen Tankstelle und Supermarkt einen Gedenk- und Lernort zu bauen, ist keine kleine Herausforderung. Die moderne Profanität dieses „Nicht-Ortes“ (Marc Augé) könnte kaum größer sein. Und doch bezeichnen diese Orte zentrale Momente unseres Alltags: der Supermarkt – Ort der Versorgung, die Tankstelle – Ort der Individualmobilität, für manche auch des zwanglosen Aufenthalts. Und ist nicht auch das Gedenken an die Grenzen des Profanen gekommen? Dann wenn der zeitgeschichtliche Bezug verloren geht, wenn die letzten Zeitzeugen sterben und die persönlichen Bezüge der Menschen fehlen, dann brauchen wir gerade mehr Authentizität und mehr Publizität. Gedenkorte also, je weiter sie zeitlich von dem zu gedenkenden Geschehen entfernt sind, die neue Wege des Erinnerns erschließen. Gedenk- und Lernorte werden stärker nach innen und außen gehen müssen, sie werden das stille Gedenken betonen (Authentizität) und zugleich die historisch verifizierten Informationen stärker publizieren müssen (Publizität). Wir sehen den speziellen Standort entsprechend als große Chance für ein Gedenken und Lernen, das sich in den Alltag der Menschen integriert, couragiert ohne Aufdringlichkeit, eine Chance für die Verwandlung eines „Nicht-Ortes“ in einen belebten und bewegten Ort, der uns heute herausfordert und sagt: Learning from Laagberg.

Zeitgemäße Gedenkstätten verbinden stilles Gedenken und aktive Kommunikation. Sie wirken vom authentischen historischen Ort aus in die gegenwärtige Gesellschaft und geben Impulse für die Gestaltung der Zukunft. Der Entwurf für den Gedenk- und Lernort KZ-Außenlager Laagberg verbindet auf exemplarische Weise Kommunikation und Kontemplation, und zwar niedrigschwellig und zugänglich für Besucher wie Passanten. Hierfür wird das alltägliche Medium des „Billboard“ zu einem intelligenten Instrument der couragierten Kommunikation ausgebaut. Das profane Monument (Venturi) reagiert auf die lokale Situation und füllt die vorstädtische, urbane Lücke zwischen Lidl und Tankstelle auf städtebaulich stringente Weise. Zugleich ist es mit einem sich erweiternden digitalen Archiv verknüpft und kommuniziert viral und medial interaktiv in die Welt und mit neuen Zielgruppen. Andererseits geht der Entwurf aktiv mit dem authentischen, aber heute stark überformten Ort um. In die Erde, auf dem das Lager stand, gräbt er sich behutsam hinein, um in dieser entrückten Ebene kontemplative Räume zu schaffen. Diese Ebene von Archiv und Ausstellung erhält ihre Verbindung zur kommunikativ aktiven Ebene durch einen Pavillon, der das zweite ergänzende Element des neuen Quartiersplatzes wird.

Das Haus ist so aufgebaut, dass es in unterschiedlichen Formaten mit dem Stadtraum, den Besucher*innen und allen Passierenden kommuniziert. Prägnant ist das Billboard als öffentliche Kommunikationsfläche sowie seine integrierte Verbindung zur digitalen Welt. Ebenfalls deutlich sichtbar ist der Pavillon. Er ist zugleich Vermittlungs- und Ausstellungsraum für die 56 Kisten mit den translozierten Fundamenten von Baracke 4. Die Kisten stellen selbst Fragen und sind Anknüpfungspunkt für die weiteren Vermittlungsformate. Der neu geschaffene Stadtplatz lädt zum Verweilen ein und ist Ausgangspunkt für Erkundungen im Quartier auf den Spuren des ehemaligen Lagers. Den Zugang zur Ausstellung finden die Besucher an der schmalen Seite des Billboards. Auf einer Treppe/mittels Aufzugs gelangen sie in einen ruhigen Hof, der bewusst einen Zwischenraum zwischen Außen- und Innenraum bildet. Von hier aus werden die Ausstellungs- und auch die Funktionsräume erschlossen.

Gedenk- und Lernort KZ-Aussenlager Laagberg
Gedenk- und Lernort KZ-Aussenlager Laagberg
Gedenk- und Lernort KZ-Aussenlager Laagberg
Gedenk- und Lernort KZ-Aussenlager Laagberg